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Es ist nicht sehr lange her, dass die geschichtliche Forschung begann, sich Zeitzeugen zu bedienen. Erst private Initiativen haben hierzu die Anregung geliefert. War es doch so, dass sich Museen in der Vergangenheit gerade darauf beriefen, Objekte, Dokumente und Geschichte der Vorgänge zu bewahren, die jenseits des Erlebens noch lebender Personen lag. Das bedeutete, Begebenheiten, die nicht wenigstens 100 Jahre vergangen waren, waren für die Geschichtsschreibung nicht interessant. Und natürlich gab es bei solchen Konzepten immer genau dann keine Zeitzeugen mehr, wenn die Geschichte nach hergebrachter Vorstellung museumsreif war.
Zudem galt 'Aufgeschriebenes' als gesichert und bis ins Detail wahr, mündliche Berichte als fehlerhaft, geschönt, verfälscht und erinnerungslückenhaft. Als nicht neutral, sondern vom möglicherweise durch das Ereignis, ü:ber das berichtet wird, traumatisierten Berichterstatter übertrieben, bereinigt und tendentiös gefärbt.

Die Bedeutung der Erforschung der Geschichte der Judenverfolgung hat hier allerdings zu einem Umdenken geführt. Hatten die Nazis doch im Bewusstsein ihres unrechten Handelns einen großen Teil der entsprechenden Belege gezielt vernichtet, um sich dadurch einer Strafverfolgung zu entziehen. Andere hatten, um einer Bstrafung zu entgehen, die Belege verfälscht, ergänzt oder ausgedünnt. 'Falsche Zeugen' korrigierten die Geschichte nachträglich, um sich oder andere für Vergehen reinzuwaschen bzw. ihre Beteiligung zu verbergen. Die aufgeschriebene Geschichte wurde zu Geschichten ohne prüfbarem Wahrheitsgehalt. Eine Rekonstruktion der detaillierten Vorgänge war ohne die Befragung von Zeitzeugen nicht möglich.
Die Erkenntnisse hieraus haben gezeigt, dass die Wahrnehmung der Geschichte von unten, also dessen, wie die Bevölkerung die Ereignisse empfunden hat, durchaus neue and teils gegenteilige Beschreibungen der Ereignisse liefert, wie sie von der offiziellen Geschichtsschreibung und Politik überliefert wurden.

Besonders interessant sind hier natürlich Zeitzeugenberichte, die ausdrücklich nicht nach Ablauf langer Zeit für Wissenschafter erstellt wurden. Sind doch viele Gründe vorstellbar, warum diese nach Ablauf von zig Jahren geschönt oder dramatisiert wurden oder lückenhaft sind, weil sie durch langjährige Traumatisierung zu gewissem Prozentssatz verdrängt , ergänzt oder ganz ersetzt wurden.

Interessant sind in diesem Zusammenhang Beschreibungen in zeitnahen Briefen, die an Verwandte oder andere nahestehenden Personen geschrieben wurden. Aber auch Schulaufsätze sind recht interessant. War es früher doch so, dass Lehrer deren Themen nach eigenem Gutdünken ganz spontan und häufig mit lokalem oder Ereignis-Bezug festlegten.

Wir werden auf dieser Seite nach und nach Inhalte zeitgenössischer Briefe und Schulaufsätze veröffentlichen, die Bezug auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen und Vorgänge nehmen.


DatumOrtThemaSchule, Klasse, Name, BezugTextlink
26. September 1915Fraggele (Elsaß?)Kaiserbesuch und Ansprache, (angebl.) bevorstehender Sieg im Osten, Beschlagnahmen zu Kriegszwecken in der Heimat, Ernteaussichten, Einzug von 18-Jährigen im ElsaßFeldpostbrief nach HauseText
17. Januar 1918Mayendamm bei BremenDer zeitaufwändige Schulweg mit verschiedenen Verkehrsmitteln(Mädchen-) Schule im Umland von BremenText
7. Juni 1918Mayendamm bei BremenRechtfertigung des Kriegsbeginns 1914 wegen Überfall auf Deutschland und Vorstellung, dass Deutschland den Krieg gewinnt, Dankgedicht an Gott für Sieg (Mädchen-) Schule im Umland von BremenText
24. August 1918Mayendamm bei BremenZwei Monate vor Deutschlands Kapitulation, Schilderung der Greuel, die die deutsche Bevölkerung zu erwarten hat, wenn Frankreich den Krieg gewinnt. (Mädchen-) Schule im Umland von BremenText
1939 - 1945EuropaWiedergaben von Briefen der zivilen Bevölkerung, in denen kriegsbedingte Empfindungen und Schicksale in der Heimat beschrieben werden Briefe und vergleichbare DokumenteTexte
30. August 1940Konzentrationslager DachauBrief eines inhaftierten österreichischen Häftling, es ist hier nur der Briefumschlag und nicht der Text vorhandenBrief an Familie, aufgedruckte LagerbestimmungenText
1. Januar 1940 - 10. Mai 1945Nordhorn Grafschaft BentheimAuswertung der Taschenkalendereinträge von Hilde Becker aus Nordhorn, in denen jeder Fliegeralarm zwischen 1940 und 1945 vermerkt ist.Als Notizbücher genutzte Taschenkalender von Hilde Becker aus NordhornText und Tabelle
22 Februar 1942 - 7. Mai 1943Ostfront 27 Briefe eines deutschen Frontsoldaten an eine jungen Frauarrangierte Brieffreundschaft, wie sie zur Wehrertüchtigung gefördert wurdenBriefe
06. und 20. Juni 1943Köln, Oberstdorf2 Briefe und 1 Karte bezüglich der Bombardierung Kölns, Düsseldorfs, Eder- und Möhnetalsperredetaillierte Schreiben innerhalb der betroffenen Familie Emil v.d. Leck-Eysen, Eisenwarengeschäft, Schaafenstr. 53-55, KölnText
28. Juni 1943Gießenkriegsbedingte Lebensverhältnisse, durch Krieg an verschiedene Einsatzorte verstreute Familie, Luftschutzalarme Gießen, Bombardierungen im RheingebietBrief von Gießen an Mutter in Garding bei Husum, Schreiben innerhalb der betroffenen Familie v.d. Leck-EysenText
Oktober 1943 bis August 1947Italien, Danzig, MoskauKriegseinsatz in Italien und Anschließend an der Ostsee, Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion71 Briefe an Bad-Dürkheimer Bürgerin, überwiegend von Ehemann, der als Soldat eingesetzt ist, aber auch von Verwandten, Situation in den Kriegsgebieten, aber auch in Bad Dürkheim, Mannheim und LudwigshafenBriefe
01. Oktober 1943Rhynern, GießenBrief aus dem Arbeitsdienstlager Rhynern nach Gießen, Beschreibung der Bombardierung Hagens Text
1943/1944Konzentrationslager BuchenwaldBrief eines inhaftierten tschechischen 'Schutzhäftling' auf dem vorgeschriebenen FormblattBrief an Ehefrau, Sohn und Mutter, mit Grüßen an gesamte Verwandschaft und Freundeskreis, bedauert, dass in der bis dahin 3-jährigen KZ-Haft keine Post von Brüdern kam.Text
2. Februar 1944Konzentrationslager AuschwitzPostkarte eines inhaftierten polnischen 'Schutzhäftling' auf dem vorgeschriebenen FormblattBrief an Ehefrau und Sohn, mit Grüßen an gesamte Verwandschaft und Freundeskreis, bittet um GeldText
23. April 1944Konzentrationslager AuschwitzBrief eines inhaftierten polnischen 'Schutzhäftling' auf dem vorgeschriebenen BriefformularBrief an Mutter mit Grüßen an die gesamte Verwandschaft und den Freundeskreis, übertrieben positive Darstellung der Lebensumstände, die Gegenteiliges vermuten lassen.Text
27. Juli 1944GießenAttentat Stauffenbergs auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944, zeitgleich erste Bombardierung Gießens, Erwähnung Bombardierung Wetzlars, Bad Nauheims und Friedbergs bei selben englischen EinsatzBrief von Gießen an Mutter in Garding bei Husum, Schreiben innerhalb der betroffenen Familie v.d. Leck-EysenText
1. August 1944OstfrontSehnsuchtsbrief, geringe Frontinfos, Erwähnung der Bombardierung Gießens am 20.7.1944Brief von Ostfront an Renate Kreuter in GießenText
2. Dezember 1944Konzentrationslager DachauBrief eines inhaftierten deutschen Häftlings auf dem vorgeschriebenen BriefformularBrief an Lebensgefährtin, bitte sich an seinem Geld zu bedienen und seinen Besitz zu verwaltenText
20. Dezember 1944Wien, GießenPostkarte Oberstltn. Ernst von Solwegens, Schilderung der Kriegslage in Wien Text
31. Dezember 1944Marktredwitz, GießenBrief an einen Geschäftsfreund, Bombardierung Eger und Karlsbad, Flakhelfereinsatz der Tochter, etc. Text
Februar 1944 - März 1945Belgien, Frankreich, Holland, Slowakei, Jugoslawien, Ungarn123 Briefe (dabei wenige Karten) von der West- und Südostfront des 2. Weltkrieges, geschrieben von dem deutschen Veterinär-Offizier der Artillerie Dr. Schneider an seine Ehefrau nach Frankfurt/Mainsehr detaillierte Frontberichte eines sehr privilegierten FrontsoldatenText
ca. 1. Januar 1945BerlinFriedensgedicht, Hoffnung auf Normalisierung des Lebens in Berlin, sobald es Frieden gibt Gedicht
27. Januar 1945Kemmlitz (b. Oschatz östl. Leipzig), GießenBrief eines Geschäftsfreunds aus Kemmlitz, Zerstörungen Gießens, Erfrierungen und Verbrennungen des Sohnes, Beschaffungsprobleme Gummiwaren Text
7. Februar 1945Leipzig, GießenBrief einer Geschäftsfreundin aus Leipzig, die die Bombardierungen und Zerstörungen Gießens bedauert und ihre geschäftliche Hilfe anbietet Text
19. Februar 1945Bernsfeld, Dorf-Güllevakuierte Mieterin einer Wohnung in Gießen bittet den ebenfalls evakuierten Vermieter, ihr die Wohnung nach Behebung der Bombenschäden erneut zu überlassen Text
06. und 19. März 1945Front bei Danzig2 Feldpostbriefe a.d.Z. der EndkämpfeSchreiben von 'Baldi' an seine Ehefrau EdithText
15. 04.1945- 20.12.1946Gefangenenlager RennesTagebuch eines deutschen Infantristen, Kriegsende und Zeit im französischen Kriegsgefangenenlager Rennes, Perspektiven- und Heimatlosigkeit nach Entlassungselbstgebundenes Tagebuch, 26 Seiten 10,5x15cmText
19.Juni 1945GeraRücksiedlung nach KölnMusterbrief aus English-Deutsch Wörterbuch Okt. 1945Text
06. Dezember 1945HattingenLebensverhältnisse nach Kriegsende, Schrecken des kalten Winters, ReisebeschränkungBrief von Hattingen an Vater in GießenText
ca. Januar 1946 - Juni 1947Kriegsgefangenenlager Pouxeux (Vogesen) FrankreichSituation des Kriegsgefangenen52 Brief an die Ehefrau in Frankfurt/MainText
2. Februar 1946WienBrief von Studentin an ihren - ev. im Rahmen der Entnazifizierung - inhaftierten Vater, Kälte, die sie im Bett übersteht, KunststudiumText
23. Mai 1946 - 13. Mai 1948Sowjetisches Kriegsgefangenenlager ( anfangs Moskauer Adresse, später Lager 3888)Lebenszeichen
5 Karten an Mutter, die von Breslau nach Vechta geflohen ist, während sich Sohn in russischem Kriegsgefangenenlager befindet. Sicher ist der Schriftwechsel nicht vollständig erhalten geblieben.
1. 23.05.1946 - Kontakt 1 Jahr nach Kriegsende
2. 25.02.1947 - Kontaktanfragen, Erklärung keine Kleidung mehr zu besitzen
3. 20.03.1948 - Hoffnung auf baldige Entlassung, Hinweis auf Kleidermangen sowohl im Lager als auch in der Heimat
4. 10.04.1948 - Hoffnung auf baldige Entlassung, Arbeitsumstände zu Hause, Familienfragen
5. 13.05.1948 - Familienangelegenheiten, Hoffnung auf Entlassung, schlechte Ernährungslage
12.-15. August 1946 Gießen7 Seiten über Nachkriegssituation, Wiederaufbau der Firma, Betriebswahl, Gerichtstermin im Entnazifizierungsverfahren Text
16. September 1946 Köln2 Seiten über Nachkriegssituation, Versorgungslage, Vorbereitung einer Hochzeit in WiesbadenBrief von Wiesbaden an Verwandte in SteinheimText
29. September 1946 - Juni 1947Köln6 Seiten über Nachkriegssituation, Wiederaufbau, Trümmerräumdienst als Sühne für NSDAP Mitgliedschaft, Judenverfolgung, Wahlbeeinflussung der katholischen Kirche zugunsten der CDU, Kontakt von Frauen mit Besatzungssoldaten etc.Geburtstagsbrief an MutterText
3. Februar 1947Milwaukee USASituation in Amerika als Folge des Krieges, Care-Organisation, Brief von Milwaukee an Tante in Deutschland, Schreiben innerhalb der betroffenen Familie v.d. Leck-EysenText
21.08.1947WächtersbachFerien auf dem LandFrankfurt, Unterstufe, Marlies StreckerText
21.08.1947WächtersbachFerien auf dem LandFrankfurt, Unterstufe, Marlies StreckerText
25.10.1947Frankfurt a.M.StraßenverkehrFrankfurt, Unterstufe, Marlies StreckerText
30.11.1947Herborn, Frankfurt a.M.WohnungssituationHerborn, Brief, Hilde RauelText
01.12.1947Frankfurt a.M.WohnungssituationFrankfurt, Unterstufe, Marlies StreckerText
19.01.1948Frankfurt a.M.KonsummöglichkeitFrankfurt, Unterstufe, Marlies StreckerText
01. Juli 1948FrankfurtBrief (mit Währungsreform-Frankatur), 700-Jahr Feier Gießen, Studentenleben in Frankfurt, Ost-West-Konflikt, Gedicht Richard DehmelSchreiben der Tochter an ElternBrieftext
02. Juli 1948MannheimPostkarte (mit Währungsreform-Frankatur) mit privatem Inhalt, nimmt Bezug auf die Unmöglichkeit eine Bahnfahrkarte zu kaufen, da Bankkonten wegen der Währungsreform noch gesperrt sindSchreiben der Tochter an ElternPostkartentext
15. Dezember 1948Hannovers MündenPostkarte (mit früher Notopfer-Berlin Marke) mit Geburtstagsgrüßen nimmt Bezug die nach Währungsreform wieder bestehenden KaufmöglichkeitenPostkartentext
23. Juni 1951WolfenbüttelLebenslauf zur Weiterbeschäftigung bei der Post, typisch für Kriegsgenerationhandschriftlicher Lebenslauf 1951Inhaltsabschrift
31. Oktober 1951DarmstadtLebensverhältnisse, Besetzungstruppen, farbige Amerikaner, Burg Frankenstein, FesselflugmodelleSchreiben an SohnText
05. Dezember 1952Bad BrückenauZwangsbewirtschaftung von Wohnraum, 2 neue Mieterinnen für je ein Zimmer unter dem Dach, freigabe von Küchenraum aus dieser WohnungSchreiben der Stadtverwaltung an HausbesitzerText
um 1960unbekanntAufsatz zur Judenverfolgung im 3. Reich(Mädchen-) Aufsatz, keine weitere Information zur Schule oder PersonText


© Horst Decker