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Feldpostbriefe Italienfront

Wiedergabe von 71 Feldpostbriefen, die (überwiegend) von dem deutschen Offizier Robert Lauth aus Ludwigshafen/Bad-Dürkheim ab Oktober 1943 an seine Ehefrau geschrieben wurden, dazu 14 Karten aus der bis mindestens August 1947 währenden sowjetischen Kriegsgefangenschaft.

Robert Lauth, wahrscheinlich bereits im 1. Weltkrieg Soldat, ist verheiratet und hat zwei jugendliche Söhne. Zur Zeit der vorliegenden Korrespondenz ist er Hauptmann der Luftwaffe bzw. einer Wehrmachtkompnie, die eng mit der Luftwaffe zusammenarbeitet.
Zivil ist er Haupt- oder nebenberuflich Künstler und malt Aquarelle, die, wie aus einem Brief hervorgeht, auch über eine Gallerie verkauft werden. Offenbar sammelt er selbst auch Kunstwerke.
Auffällig, wie bei fast allen Feldpost-Schriftwechseln steht die Liebe zu der und Sorge für die eigene Familie, im krassen Gegensatz zu einer erschreckenden Empathie für den Kriegsgegner, bzw. die nichtdeutsche Bevölkerung in den besetzten Ländern.
Die Briefe beginnen mit der Rückkehr von einem Heimaturlaub am 25. September 1943. Grund des Sonderurlaubs war ein Bombentreffer des Hauses seiner Familie in Ludwigshafen, wobei auch seine Schwägerin, Lydia Wagner, Schwester seiner Ehefrau, ums Leben kam. Ziel der Rückreise ist der Stationierungsort seiner Kopanie in Foggia/Italien. Bereits am 10. Juli 1943 sind die Alliierten Truppen an der Südspitze Italiens gelandet. Zug um Zug besetzen sie zusammen mit den drei Tage später ebenfalls gelandeten englischen Truppen Italien von Süden Richtung Norden. Während des Urlaubs von Hauptmann Lauth musste sich seine Kompanie vor den anrückenden englischen Truppen zurückziehen und so ist sein neues Ziel ein kleines - wie er schreibt - verstecktes Dörfchen in der Nähe von Udine. Dort beschafft er sich, wie er schreibt, allerhand schöne Sachen, wahrscheinlich Kunstwerke , die er auf nicht beschriebene Art und Weise organisiert hat, und sucht einen Weg, sie nach Hause zu seiner Frau zu schaffen.
Auf seinen dringlichen Rat hin hat die Ehefrau die Wohnung in dem ständig bombardierten Ludwigshafen aufgegeben und ist nach Bad Dürkheim gezogen, wo der Famile ein möbiliertes Zimmer zur Verfügung steht. Auf seinen Rat wurden wertvolle Besitztümer an ungefährdetere Adressen ausgelagert und das Mobilar wurde gegen Schaden und Verlust versichert.
Sein Leben auf dem italienischen Kriegsschauplatz ist im Gegensatz zur Lage in der Heimat noch recht angenehm. Die Versorgung ist besser als in der Heimat. Hingegen werden Ludwigshafen und Mannheim ständig bombardiert. Sohn Werner ist als Flakhelfer in Lugwigshafen verblieben, Sohn Wolfgang offenbar als HJ-Mitglied nach Frankreich eingezogen worden.
Ab 1944 verschlechtern sich die Einkaufsmöglichkeiten für die Soldaten der Italienfront, da sie kaum noch die hierzu benötigten Devisen, also italienisches Geld, erhalten. Hauptmann Lauth kündigt seiner Ehefrau daher an, dass er ihr und ihren Bekannten keine Waren mehr zusenden kann. Insbesondere ging es dabei um Damenhandtaschen.


Am 28. Juli 1943 wurde der italienische Führer Mussoline verhaftet und Italien sagte sich offiziell aus dem Bündnis mit den Deutschen losgesagt.
Am 3. September 1943 kapituliert Italien offiziell. Am 12. September 1943 befreiten deutsche SS-Truppen unter Mitwirkung der Luftwaffe Mussolini aus seiner Gefangenschaft im Berghotel des Gran Sasso in den Abruzzen. Italien wird dadurch gespalten in den größeren Südstaat, der kapituliert hat, in dem aber nach wie vor deutsche Soldaten versuchen den Vormarsch der Alliierten zu stoppen und deren erorberten Gebiete zurück zu erkämpfen, und in den kleinen Nordstaat, in dem Mussolini die Sozialfaschistische Republik Italiens ausgerufen hat.

Im März 1944 wird die Einheit von Hauptmann Lauth von Udine in Norditalien in die Abruzzen östlich Roms verlegt, um sich den alliierten Truppen entgegenzustellen. Längst sind aber auch Unruhen in der italienischen Bevölkerung entstanden und einzelne Wehrmachtssoldaten können sich wegen reger Partisanentätigkeit nicht mehr abseits großer Straßen bewegen. Unmittelbar nach seiner Ankunft in den Abruzzen erleidet Robert Lauth einen schweren Malariaanfall, der ihn für rund einen Monat in ein Lazarett zwingt. Praktisch die gesamte Führung seiner Kompanie erleidet dieses Schicksal. Während des Lazarettaufenthaltes sorgt er sich um die Auslagerung des wertvollem Besitz, den er zumindesten teilweise in Italien organisiert hatte, aus seinem Haus in Bad Dürkheim ins ungefährdetere Wachenheim. Seine Frau fährt mit einer Freundin zu deren Haus in Dresden, um sich dort von den Bombardierungen des Ludwighafener Raums zu erholen. Nach der Entlassung aus dem Lazarett fährt der Bataillonskommandeur, ein Major, in Urlaub. Hauptmann Lauth wird sein Stellvertreter und hofft in den kommenden Tagen selbst zum Major befördert zu werden. Es liegt in seiner Verantwortung, ein Rollfeld, also einen Feldflugplatz zu betreiben.
Er schickt seiner Ehefrau ungerahmte alte italienische Gemälde und bittet sie, diese für die Nachkriegszeit ungeöffnet einzulagern.
Eine ehemalige polnische Hilfskraft, Katja Baben..., seiner alten Kompanie meldet sich bei Hauptmann Lauth und berichtet ihm den Rückzug der Luftwaffe aus dem Balkan mitgemacht und dabei all ihren Besitz und ihre Kleidung verloren zu haben. Sie ist in Reichshof, fährt aber in Kürze weiter nach Königsberg und möchte Hauptmann Lauth gerne treffen. Das sehr persönliche Anschreiben, dass an seine Heimatadresse geht, erreicht die Ehefrau von Hauptmann Lauth, die Katja kurz zurückschreibt, den Brief an ihren Mann weitergeleitet zu haben und dass dessen Kompanie mittlerweile von Italien nach Litauen verlegt wurde.
Hier ist Hauptmann Lauth für die Aufsicht eines Lagers mit 2000 zur Arbeit herangezogenen Juden verantwortlich. Seine Ehefrau war Pfingsten 1944 bei einem Besuch in ihrem zerstörten Ludwigshafener Haus erneut alliierter Bombardierung ausgesetzt.

DatumInhaltBesonderheitLink
25.09.1943Robert Lauth ist haupt- oder nebenberuflich Künstler und malt Aquarelle, die der über eine Galerie verkauft. Offenbar wurde er direkt mit Kriegsbeginn zur Wehrmacht eingezogen. Zum Datum des ersten uns vorliegenden Briefes ist er als Hauptmann in Foggia / Süd-Ost Italien stationiert. Er fährt nach einem Heimaturlaub zurück zu seiner Kompanie. Von München aus schreibt er nach Ludwigshafen, wo seine Familie wohnt, und berichtet, dass er zu Hause einige Dinge vergessen, die er bittet, ihm nachzusenden. Ev. steht der Heimaturlaub im Zusammenhang mit der Beerdigung seiner Schwägerin, denn in einem späteren Schreiben erwähnt er deren Tod während eines englischen Bombenangriffes auf Ludwigshafen. Er warnt seine Ehefrau, länger in Ludwigshafen zu bleiben. Seine Familie ist offenbar wohlhabend, denn sie ist zur 'Reichensteuer' veranlagt. Er bittet, den wertvolleren und lebensmotwendigen Besitz auszulagern. Briefwiedergabe
3.10.1943Robert Lauth ist in einem kleinen Dorf bei Udine/Oberitalien angekommen, wohin seine Kompanie während seiner Abwesenheit geflohen ist. Er hat sich in Italien eine Schreibmaschine verschafft, außerdem einige 'schöne Sachen', die er gerne nach Hause senden will. Er drängt seine Frau nochmals Ludwigshafen zu verlassen.Brief in SchreibmaschinenschriftBriefwiedergabe
3.10.1943Robert Lauth ist in einem kleinen Dorf bei Udine/Oberitalien stationiert. Seine Frau hat Ludwigshafen verlassen und ist nach Bad Dürkheim gezogen. Sohn Werner ist als Flakhelfer in Ludwigshafen verblieben, Sohn Wolfgang als HJ-ler nach Frankreich eingezogen worden.Brief in SchreibmaschinenschriftBriefwiedergabe
3.11.1943Robert Lauth schickt seiner Frau Geburtstagswünsche und erklärt, zu Weihnachten wieder nach Hause zu kommen, sofern es keine Urlaubssperre gibt.Brief in SchreibmaschinenschriftBriefwiedergabe
30.11.1943Hans, der Bruder von Frau Lauth hatte offenbar ebenfalls Fronturlaub, um zur Beerdigung seiner Mutter nach Ludwigshafen zu kommen. Von der Ostfront schreibt er an seine Schwester und beschreibt nochmals den schmerzhaften Verlust der Ehefrau.Brief in nahezu unleserlicher Handschrift.Briefwiedergabe
03.01.1944Hans Wagner, der Bruder von Frau Lauth bedankt sich bei seiner Schwester für ein Weihnachtspäckchen und beschreibt nochmals den schmerzhaften Verlust der Ehefrau. Er hofft auf den Sieg Deutschlands im Neuen JahrBrief in nahezu unleserlicher Handschrift.Briefwiedergabe
06.01.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, er bittet sie, seine alten 1. Weltkriegs Uniformteile der Volksopfer Sammlung zu übergeben handschriftlicher BriefBriefwiedergabe
10.02.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, er erklärt ihr, dass er mangels italienischen Geldes kaum noch Waren kaufen und zu ihr nach Hause schicken kann. handschriftlicher BriefBriefwiedergabe
18.03.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, Verlegung von Udine in die Abruzzenregion, Lazarettaufenthalt wegen Malaria, so gut wie keine Einkaufsmöglichkeit mehr da kaum Lire und Preise hier vielfach höherhandschriftlicher BriefBriefwiedergabe
25.03.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, Hauptmann Lauth liegt noch immer im Lazarett, seine Frau ist zur Erholung vor den ständigen Bombardierungen des Ludwigshafener Raums nach Dresden gefahren. Herr Lauth sorgt sich um die Auslagerung seines wertvollen Besitzes aus dem Bad Dürkheimer Haus.handschriftlicher BriefBriefwiedergabe
04.04.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, Hauptmann Lauth ist aus dem Lazarett entlassen worden, seine Frau befindet sich noch in Dresden gefahren. Der Batallionsführer, ein Major, ist in Urlaub und Hauptmann Lauth vertritt ihn. Er hofft vor dessen Rückkehr ebenfalls zum Major befördert worden zu sein. Als Termin hierzu stellt er sich den 20. April, den Geburtstag Adolf Hitlers, vor, ein beliebter Stichtag für Beförderungen. Er ist für einen deutschen Feldflugplatz am Gran Sasso zuständig.maschinenschriftlicher BriefBriefwiedergabe
08.04.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, Hauptmann Lauth rechnet weiter mit seiner kurz bevorstehenden Beförderung zum Major. Er hat seiner Ehefrau alte, ungeramten italienische Gemälde geschickt und bittet sie, dieses Paket, das ein Heimaturlauber nach Deutschland bringt, ungeöffnet zu Hause zu lagern.maschinenschriftlicher BriefBriefwiedergabe
08.04.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, Hauptmann Lauth rechnet weiter mit seiner kurz bevorstehenden Beförderung zum Major. Der Fühling hat in Italien Einzug gehalten und es ist warm geworden. Er hat einige Päckchen nach Hause geschickt - so überschüssige Uniformsteile - und erläutert den Zweck. .maschinenschriftlicher BriefBriefwiedergabe
17.04.1944Hptm. Robert Lauth beschreibt eine Besichtigungstour in den Abruzzen, die er sich wegen der offenbar feindlichen Bevölkerung nicht waffenlos getraut habe. Er spricht von Tieffliegerangriffen und Flugplätzen, die seine Einheit betreut. Er berichtete von ständigen Angriffen alliierter Tiefflieger, er hofft auf einen baldigen Sieg der Wehrmacht, er fragt an, ob seine Pakete mit Kunstbildern angekommen sind, er hofft auf seine Beförderung zum Geburtstag des Führers, er berichtet von Katja, einer polnischen Zwangsarbeiterin, mit der seine Familie in Ludwigshafen in irgend einer Weise Kontakt hatte und die bei einerLuftwaffeneinheit dient, deren gesamten Rückzug vom Balkan mitgemacht hatte und die dabei ihren gesamten Besitz und alle Kleidung zurücklassen musste. Dr. Lauth bittet seine Ehefrau ihr, wenn möglich, nicht mehr benötigte Kleidung zu ihrer Einheit nach Reichshof zu schicken.maschinenschriftlicher BriefBriefwiedergabe
05.05.1944Hptm. Robert Lauth an seine Ehefrau, die alliierten Luftangriffe werden stärker und R. Lauths Truppe weicht erst nach Florenz aus, das sie aber bereits nach 5 Tagen verlässt, da sie dort schutzlos den Bombenangriffen ausgesetzt sind. Sie weichen in ein Tal aus und warten auf Transportmöglichkeit. Die Truppe soll nach Bromberg verlegt werden.
Auch sein Wohnhaus in Dürkheim ist bombardiert worden, wobei erheblicher Schaden entstanden ist.
handschriftlicher BriefBriefwiedergabe
01.06.1944zwei Briefe von Katja Baben..., offenbar eine polnische Zwangsarbeiterin, die in nicht näher beschriebener Weise engen Kontakt zu Hauptmann Lauth hatte und auch in dessen Luftwaffeneinheit diente, nun jedoch in einer anderen Einheit zugeteilt ist, die sich im Wege des Rückzugs vom Balkan, Nähe Dubrovnik, in Reichshof aufhält. Sie schreibt einen sehr persönlichen und einen formelleren Brief an Hauptmann Lauth, an dessen ehemalige Adresse in Ludwigshafen. In einem weiteren Brief antwortet Frau Lauth und verweist darauf, dass sie ihre Briefe an ihren Mann weiterleitet, dessen Einheit mittlerweile nach Litauen verlegt wurde.3 handschriftliche BriefeBriefwiedergabe
07.06.1944Brief von Hauptmann Robert Lauth, er berichtet davon mangels Radio keine genaue Kenntnis der Lage mehr zu haben, antwortet auf den Bericht der Frau, die zu Pfingsten bei einem Besuch in Ludwigshafern erneut alliierter Bombardierung ausgesetzt war und schreibt, dass er nun für ein Lager mit 2000 Juden verantwortlich ist.maschinenschriftlicher Brief, 2 SeitenBriefwiedergabe
21.06.1944Brief des Bruders von Hauptmann Robert Lauth, Rudolf Lauth, ebenfalls stationiert in Italien, er erwähnt die Invasion der Alliierten und die Vergeltungsaktionen gegen Englandhandschriftlicher Brief, 2 SeitenBriefwiedergabe


© Horst Decker

die Auflistung erfolgt in zeitlichen Abständen