Wiedergabe der Inhalte von Briefen und Karten, die die Emfindungen, Nöte und Sehnsüchte der deutschen Zivilbevölkerung 1939-1945 beschreiben

Die folgenden Textwiedergaben von Privatkorrespondenz der Zeit des 2. Weltkrieges und der anschließenden Notzeit, geben die ungeschönten Empfindungen Einzelner wieder, können aber stellvertretend für die Lage und und Ansichten vieler Deutscher angenommen werden.
Nach Lesen von vielen Briefen kristallisiert sich die Ansicht heraus, dass ein großer Teil der Zivilbevölkerung, aber auch der Frontsoldaten, sich in eine realitätsfremde Scheinwelt flüchtete, die sich auf die Verbindung zur vertrauten Familie, dem Ehepartner oder einer anderen zwischenmenschlichen Verbindung konzentrierte, diese regelrecht glorifizierte und in eine unreale Ebene transferrierte, die bei tatsächlicher räumlicher Nähe überhaupt nicht möglich wäre. Offenbar war es nur durch regelmäßigen Rückzug in diese Scheinwelt möglich, all das real erfahrene Leid, all die Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten des Kriegs zu ertragen, aber wohl auch diese, soweit sie andere betrafen als 'normal' oder gar gerechtfertigt anzusehen und im Einzelfalle sich sogar an deren Ausübung zu beteiligen.
1. Januar 1940 - 10. Mai 1945Nordhorn Grafschaft BentheimAuswertung der Taschenkalendereinträge von Hilde Becker aus Nordhorn, in denen jeder Fliegeralarm zwischen 1940 und 1945 vermerkt ist.Als Notizbücher genutzte Taschenkalender von Hilde Becker aus NordhornText und Tabelle
14. März 1943 - 6. Januar 1945Paris15 Briefe einer deutschen Wehrmachtshelferin in Paris, die sie an ihren Liebsten, einen in Deutschland zur Fliegerausbildung stationierten Leutnant schriebüberwiegend reine LiebesbezeugungenBriefe
06. und 20. Juni 1943Köln, Oberstdorf2 Briefe und 1 Karte bezüglich der Bombardierung Kölns, Düsseldorfs, Eder- und Möhnetalsperredetaillierte Schreiben innerhalb der betroffenen Familie Emil v.d. Leck-Eysen, Eisenwarengeschäft, Schaafenstr. 53-55, KölnText
28. Juni 1943Gießenkriegsbedingte Lebensverhältnisse, durch Krieg an verschiedene Einsatzorte verstreute Familie, Luftschutzalarme Gießen, Bombardierungen im RheingebietBrief von Gießen an Mutter in Garding bei Husum, Schreiben innerhalb der betroffenen Familie v.d. Leck-EysenText
01. Oktober 1943Rhynern, GießenBrief aus dem Arbeitsdienstlager Rhynern nach Gießen, Beschreibung der Bombardierung Hagens Text
27. Juli 1944GießenAttentat Stauffenbergs auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944, zeitgleich erste Bombardierung Gießens, Erwähnung Bombardierung Wetzlars, Bad Nauheims und Friedbergs bei selben englischen EinsatzBrief von Gießen an Mutter in Garding bei Husum, Schreiben innerhalb der betroffenen Familie v.d. Leck-EysenText
1. August 1944OstfrontSehnsuchtsbrief, geringe Frontinfos, Erwähnung der Bombardierung Gießens am 20.7.1944Brief von Ostfront an Renate Kreuter in GießenText
8.09.1944Rückzug aus Frankreich und Ankunft in Gangelt an der Grenze Holland-Deutsches ReichFeldpost Brief, Beschreibung von Flugplatzsprengung, feindselige Stimmung in Belgien, PartisanenBriefwiedergabe
11.09.1944während TruppenbewegungBeschreibung der Zustände an der Westfront, Absetzen der politischen Führung, Akten- und Fahnenverbrennungen, Auflösen der Uniformslager, Bombardierungen durch Alliierte Fliegerverbände und Ängste der Bevölkerung. Bericht über die Neuaufstellung seiner Truppe .Briefwiedergabe
16.09.1944 Quartier in ErkrathFeldpost Brief, Abendgesellschaft wegen des Abschied aus dem Rheinland, persönliche Empfindungen des Briefschreibers, der seine Kontaktarmut beschreibtBriefwiedergabe
17.09.1944 Im Zug bei Passieren WuppertalsBeschreibung der rheinischen Landschaft und von Bombenschäden, erste Zweifel am Kriegssinn, Rat an Frau wegen Kriegseinflüsse auf Frankfurt in ein Mütterheim in der Rhön oder in Thüringen zu gehenBriefwiedergabe
18.09.1944 LeipzigGeschrieben aus Leipzig, wo Dr. Schneider offenbar Gelegenheit hatte, seine Eltern und Bekannte zu besuchen, Beschreibung eines Nachtangriffs auf Leipzig, deutet an, dass die Bevölkerung nicht mehr an einen Sieg Deutschlands glaubt und eine Kriegsfortsetzung unter diesen Umständen verbrecherisch sein könnte. Rät Frau Frankfurt zu verlassen.Briefwiedergabe
20. Dezember 1944Wien, GießenPostkarte Oberstltn. Ernst von Solwegens, Schilderung der Kriegslage in Wien Text
31. Dezember 1944Marktredwitz, GießenBrief an einen Geschäftsfreund, Bombardierung Eger und Karlsbad, Flakhelfereinsatz der Tochter, etc. Text
19. Februar 1944Bernsfeld, GießenBrief der ehemaligen Mieterin einer Gießener Wohnung, nach Bernsfeld evakuiert, bittet, ihr die Wohnung nach Beseitigung der Bombenschäden wieder zu überlassen. Text
06. Dezember 1945HattingenLebensverhältnisse nach Kriegsende, Schrecken des kalten Winters, ReisebeschränkungBrief von Hattingen an Vater in GießenText


© Horst Decker

die Auflistung erfolgt in zeitlichen Abständen